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Priscus

Priscus

Priscus (griech. Priskos) war ein aus Panium in Thrakien stammender oströmischer Diplomat und Historiker des fünften Jahrhunderts nach Christus; er starb wohl um das Jahr 472. Sein auf Griechisch verfasstes Geschichtswerk ist verloren, doch sind wichtige Teile – etwa der Bericht über seine Teilnahme an einer Gesandtschaftsreise zu Attila – als Fragmente erhalten geblieben. Priscus kann als einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber der Spätantike gelten, die bei anderen Autoren überlieferten Passagen aus seinem Werk stellen sehr wichtige Quellen für die Geschichte des 5. Jahrhunderts dar.

Literatur


- R.C. Blockley: The Fragmentary Classicising Historians of the Later Roman Empire, Bd. 2, Liverpool 1983, ISBN 0-905-20515-4.

Weblinks


- [http://ccat.sas.upenn.edu/jod/texts/priscus.html Priscus am Hofe Attilas (englisch)] Kategorie:Spätantike Kategorie:Historiker

Thrakien

Thrakien (türkisch Tırakya, griechisch Θράκη Thráki), auch Thrazien, ist eine Landschaft auf der östlichen Balkanhalbinsel, die heute zu den Staaten Bulgarien, Griechenland und Türkei gehört.

Geschichte

Der Sage nach war Thrakien Aufenthaltsort des Orpheus und des Apollon. Das dort lebende namensgebende Volk der Thraker bildete um 450 v. Chr. ein gemeinsames Reich, das später vom Perserreich und danach auch von Alexander dem Großen erobert wurde und nach seinem Tod an Lysimachos fiel. Die eingefallenen Kelten/Galater wurden von den Römern besiegt. Im Jahr 44 n. Chr. wurde Thrakien römische Provinz. Es gehörte später zum Byzantinischen Reich. Vor der Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 ließ Sultan Mehmet der Eroberer dort seine schlagkräftigsten Kriegsmaschinen herstellen.

Thrakische Kultur

Geographie

Thrakien ist in verschiedene Landschaften gegliedert und von drei Meeren (Schwarzes Meer, Mittelmeer, Marmarameer/Dardanellen) umgeben. Im Westen liegen das Rhodopengebirge und die Yildiz (Thyni) Berge. Der Evros (altgriech. Hebros, neugriech. Evros, bulgar. Mariza, türk. Meriç) trennt Westthrakien vom türkischen Teil. An der Schwarzmeerküste, an der Marmarameerküste und an den Dardanellen findet man sehr unterschiedliche Landschaften und Klimazonen, hügelige Landschaften mit Sonnenblumen und Weizenfeldern. An der Schwarzmeerküste gibt es nur einige kleine Siedlungen, während die Marmarameerküste von Istanbul bis Tekirdağ sehr verbaut und auch verschmutzt ist. Die Saros-Bucht zwischen Griechenland und der Türkei zählt zu den saubersten Tauchplätzen im Mittelmeer, weil es dort keine Industrie und Städte gibt.

Bevölkerung

Griechisches Thrakien

Die griechische Region Thrakien hat heute eine Bevölkerung von ca. 300.000 Einwohnern (Jahr 1991) und eine Fläche von ca. 8000 km². Im griechischen Thrakien leben heute mehrheitlich Griechen, darunter vertriebene ethnische Pontos-Griechen und anatolische Griechen. Die wichtigsten Minderheiten in Westthrakien stellen die Westthrakien-Türken und die Pomaken dar. Die wichtigsten Städte im griechischen Teil Thrakiens (Angaben aus dem Jahr 1991):
- Komotini 37.036 Einwohner
- Alexandroupolis 36.994 Einwohner
- Xanthi 34.889 Einwohner
- Ferai

Türkisches Thrakien

Das türkische Thrakien wird überwiegend von Türken und daneben von thrakischen Juden sowie von Tscherkessen und Krimtataren, die in Çerkezköy angesiedelt worden sind, bewohnt. Die wichtigsten Städte im türkischen Teil Thrakiens (Angaben aus dem Jahr 2000):
- Çorlu 150.000 Einwohner
- Edirne 119.298 Einwohner
- Siliviri 108.155 Einwohner
- Tekirdağ 107.191 Einwohner
- Lüleburgaz 79.002 Einwohner
- Kırklareli 53.221 Einwohner
- Marmara Ereğlisi
- Keşan 42.755 Einwohner
- Çerkesköy

Bulgarisches Thrakien

Im bulgarischen Teil Thrakiens leben neben Bulgaren größere Zahlen von pomakischen und türkischen Muslimen. Die größten Städte im bulgarischen Teil Thrakiens (Angaben aus dem Jahr 2005):
- Plowdiw 332.088 Einwohner
- Warna 307.952 Einwohner
- Burgas 188.554 Einwohner

Sehenswürdigkeiten

Thrakien ist einer der ältesten Kulturlandschaften Europas und auch bekannt wegen seiner Philosophen. In den großen Städten kann man überall sehr gut gepflegte Museen finden. Größere Abteilungen thrakischer Fundstücke gibt es in Edirne und Tekirdağ. Überall in Thrakien kann man auf die Reste der alten Kulturen und historischen Plätze stoßen. Viele davon sind kaum erforscht und wenig bekannt. In der Landschaft sieht man thrakische Dolmen und Tumuli (thrakische Königsgräber).

Moderne und alte thrakische Stadtnamen

siehe Liste thrakischer Städte

Siehe auch


- Thraker
- Minderheitenpolitik der Türkei
- Umweltverschmutzung in der Türkei

Weblinks

[http://www.gottwein.de/graeca/start_graeca.php Karten Griechenland und Thrakien] Kategorie:Historische Landschaft Kategorie:Römische Provinz Kategorie:Region Kategorie:Thrakisch Kategorie:Geographie (Griechenland) Kategorie:Geographie (Bulgarien) Kategorie:Geographie (Türkei) ja:トラキア

Byzantinisches Reich

Das Byzantinische Reich (verkürzt auch nur Byzanz) bezeichnet, nach dem ursprünglichen Namen seiner Hauptstadt Byzanz (eigentlich Konstantinopel), das aus hellenistischer Kultur, dem Römischen Staatswesen und der (im kulturellen Ursprung jüdischen) Christlichen Religion entstandene Kaiserreich im östlichen Mittelmeerraum. Das Reich entwickelte sich aus dem östlichen Teil des Römischen Reiches (Oströmisches Reich, Ostrom). Während das Westreich im Jahr 476 bzw. 480 endgültig unterging, bestand das Byzantinische Reich bis zur Eroberung seiner Hauptstadt Konstantinopel durch die Osmanen im Jahre 1453, verlor aber nach den arabischen Eroberungen im 7. Jahrhundert weitgehend seinen spätantiken Charakter. Das Byzantinische Reich sah sich Zeit seines Bestehens als unmittelbar und einzig legitimes, weiterbestehendes Römisches Kaiserreich. In diesem Sinne beanspruchte der byzantinische Kaiser das Supremat über alle christlichen Staaten des Mittelalters. Dieser Anspruch konnte aber spätestens seit etwa 600 n.Chr. nicht mehr durchgesetzt werden.

Das Wesen von Byzanz

Die Byzantiner – und die Griechen bis ins 19. Jahrhundert hinein – betrachteten und bezeichneten sich selbst als Römer („Rhômaioi“), das Wort Griechen („Hellênes“) wurde fast nur für die vorchristlichen, heidnischen griechischen Kulturen und Staaten verwendet. Die heute üblichen Bezeichnungen Byzantiner und Byzantinisches Reich sind modernen Ursprungs. Zeitgenossen sprachen immer von Basileia tôn Rhômaiôn (Reich der Römer) oder Rhômaikê Autokratia (Römisches Kaiserreich). Nach ihrem Selbstverständnis waren sie nicht die Nachfolger des Römischen Reiches – sie waren das Römische Reich an sich. Dies war staatsrechtlich auch der Fall, zumal Byzanz in einem intakten, an die Spätantike erinnernden Zustand existierte (es hatte ja keinen so massiven Bruch wie im Westen gegeben), der sich erst nach und nach veränderte und zu einer Gräzisierung des Staates unter Herakleios führte. Allerdings war bereits vorher die allgemein vorherrschende nationale Identität des oströmischen Reiches überwiegend griechisch. Griechisch war nicht nur die Amtssprache (seit Herakleios, vorher war es Latein), sondern auch die Sprache der Kirche, der Literatur und aller Handelsgeschäfte. Das byzantinische Reich war zwar ein multi-ethnischer Staat, der außer Griechen auch Armenier, Juden, Ägypter, Syrer, Illyrer und Slawen einschloss, aber die meisten Gebiete, über die er sich erstreckte, waren seit Jahrhunderten hellenisiert, also dem griechischen Kulturkreis angeschlossen. Hier lagen bedeutende Zentren des Hellenismus wie Konstantinopel, Antiochia, Ephesus, Thessalonike und Alexandria, und hier bildete sich auch die griechisch-orthodoxe Form des Christentums heraus.
Griechenland selbst spielte im byzantinischen Reich keine sonderlich bedeutende Rolle, da die neben der Hauptstadt wirtschaftlich und militärisch bedeutsamsten Gebiete die orientalischen Provinzen des Reiches waren. Als diese verloren gingen, spielte Kleinasien eine wichtige Rolle. Als auch dies teilweise im 11. und endgültig im 14. Jahrhundert an Invasoren fiel, begann bereits der Abstieg von der Welt- zur Regionalmacht und schließlich zum Kleinstaat. Das Byzantinische Reich besaß – im Gegensatz zu den meisten anderen Reichen des Mittelalters – auch nach dem Einfall der Araber noch eine straff organisierte Bürokratie, deren Zentrum Konstantinopel war. Es verfügte über Beamte und ein gutes Finanzwesen, über staatliche Monopole und eine stehende Armee. Kein Reich westlich des Kaiserreich China konnte etwa über so große Beträge verfügen wie Byzanz. Der Kaiser wiederum herrschte de facto uneingeschränkt über Reich und Kirche – und dennoch war in keinem anderen Staat (in diesem Fall kann man wirklich von einem Staat sprechen) eine so große Durchlässigkeit der Aristokratie gegeben wie in Byzanz, welches eine Mischung aus römischem Staatswesen, griechischer Kultur und christlichem Glauben darstellte und sich immer noch dem Gedanken der antiken Universalmacht verpflichtet fühlte. Nur Byzanz, so die zeitgenössische Vorstellung, war die Wiege des wahren Glaubens und der Zivilisation. In der Tat war das kulturelle Niveau in Byzanz zumindest bis ins Hochmittelalter hinein höher als in allen anderen Reichen des Mittelalters, eingeschlossen des islamischen Bereichs. In weiten Teilen wissen wir nur wenig über das „Neue Rom“. Relativ wenige Aktenstücke sind uns überliefert, und in Teilen schweigt auch die byzantinische Geschichtsschreibung, die mit Prokopios von Caesarea, Michael Psellos, Anna Komnene und Niketas Choniates über einige ganz hervorragende Vertreter verfügte. Wenn uns daher für einige Zeiträume nur kirchliche Quellen zur Verfügung stehen, so darf dies nicht zu der Annahme verleiten, Byzanz sei ein theokratischer Staat gewesen. Die Religion war wohl oft bestimmend, aber die Quellenlage ist in Teilen und besonders für die Periode vom 7. bis 9. Jahrhundert zu dürftig, um ein klares Bild zu erhalten. Erst in späterer Zeit bessert sich die Quellenlage etwas. Die ältere westeuropäische Forschungsmeinung sah in Byzanz oft nur eine dekadente, halb orientalische Despotie (so etwa Edward Gibbon). Dieses Bild wurde längst verworfen (Bury, Mango, Lilie unter anderem). Es wird inzwischen immer darauf hingewiesen, dass Byzanz als der Vermittler von kulturellen Werten und dem Wissen der Antike Unschätzbares geleistet hat. Es war zudem der „Schutzschild“ Europas über viele Jahrhunderte hinweg, erst vor den Persern und Steppenvölkern, später vor dem Islam. Erst nach der verheerenden Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Jahr 1204 konnte das Byzantinische Reich diese Funktion nicht mehr wahrnehmen.

Grundriss der byzantinischen Geschichte

Byzanz in der Spätantike: Das Oströmische Reich

Die Wurzeln des Byzantinischen Reiches liegen in der römischen Spätantike (284 bis zum Beginn des 7. Jahrhunderts). Der römische Kaiser Konstantin der Große baute die bis dahin eher kleine altgriechische Kolonialstadt Byzanz im Jahr 330 großzügig aus und machte sie als Nova Roma (Neu-Rom) im bewussten Gegensatz zum heidnischen (Alt-)Rom (das spätestens seit der Tetrarchie des Kaisers Diokletian nicht mehr ständige Residenzstadt war) zur "Hauptstadt" der Osthälfte des Römischen Reiches bzw. zur Kaiserresidenz. Der offizielle Name wurde jedoch schnell durch den in der Umgangssprache gebräuchlichen Konstantinopel ersetzt (heute heißt sie İstanbul), und auch der Name "Byzanz" hielt sich noch über Jahrhunderte. Konstantinopel blieb auch unter den nachfolgenden Kaisern Verwaltungszentrum, wenn sich auch gerade in der Frühzeit nicht alle Kaiser dort längere Zeit aufhielten. So verbrachte Valens und Julian Apostata auch längere Zeit im Osten des Reiches (Antiochia). Nach dem Tod des Kaisers Theodosius I. 395 wurde das Reich in eine östliche und eine westliche Hälfte unter seinen beiden Söhnen Honorius und Arcadius aufgeteilt. Solche Reichsteilungen hatte es schon früher gegeben, aber diesmal erwies sie sich als endgültig: Arcadius, der in Konstantinopel residierte, gilt daher oft als erster Kaiser des Oströmischen beziehungsweise frühbyzantinischen Reiches. Dennoch galten alle Gesetze in beiden Reichshälften, und der Konsul des jeweils anderen Teiles wurde anerkannt. Andere Forscher zählen übrigens bereits Konstantin oder erst Herakleios als die ersten byzantinischen Herrscher. Im späten 4. Jahrhundert, zur Zeit der beginnenden Völkerwanderung, war zunächst die östliche Reichshälfte Ziel germanischer Stämme, wie der West- und der Ostgoten. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts richteten sich deren Angriffe aber zunehmend auf das ökonomisch und militärisch schwächere Westreich. Vereinzelt musste sich Ostrom der Angriffe der Sassaniden erwehren, des einzigen gleichrangigen Konkurrenten Roms, mit dem aber zwischen 387 und 502 fast durchgängig Frieden herrschte. 410 wurde die Stadt Rom zum ersten Mal von den Westgoten erobert. Ostrom versuchte allerdings gerade gegen die Vandalen das Westreich zu unterstützen (die erfolglose Flottenexpedition von 467/468 wurde von Ostrom getragen). Allerdings hatte das Reich unter Kaiser Leo I. schwer mit dem Problem der germanischen Hilfstruppen zu kämpfen. Meistens handelte es sich ab der Mitte des 5. Jahrhunderts bei dem amtierenden Magister militum um einen Germanen. Doch konnte das Problem zum Ende des 5. Jahrhunderts durch die Heranziehung der Isaurier in den Militärdienst gelöst werden, die ein Gegengewicht zu den Germanen bildeten. Während der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus im Jahr 476 von dem germanischen Heerführer Odoaker abgesetzt wurde (der letzte anerkannte Kaiser war allerdings Julius Nepos, der 480 in Dalmatien verstarb) erstarkte das Ostreich zusehends. Die Germanenreiche erkannten nun den oströmischen Kaiser als ihren nominellen Oberherren an. Kaiser Anastasios I. stärkte zudem die Finanzkraft des Reiches, was später der Expansionspolitik unter Justinian I. zu Gute kam. Justinian I. Im 6. Jahrhundert eroberten unter Kaiser Justinian I. (527-565) die beiden byzantinischen Feldherren Belisar und Narses sogar große Teile der weströmischen Provinzen – Italien, Nordafrika (Africa) und Teile von Spanien – zurück und stellten damit das Römische Reich für kurze Zeit fast in seiner alten Größe wieder her. Doch die Kriege in West und Ost sowie die Pest, die ab 541 die Mittelmeerwelt heimsuchte, schwächten das Reich erheblich. Während der Regierungszeit Justinians, in den 530er Jahren, wurde auch die Hagia Sophia erbaut, für lange Zeit die größte Kirche der Christenheit und der letzte große Bau des Altertums. Es war eine wichtige Übergangszeit vom spätantiken Staat zum byzantinischen, auch wenn man Justinian, den "letzten römischen Imperator" (Ostrogorsky), sicherlich noch zur Antike zu zählen hat. Unter seinen Nachfolgern nahm dann auch die Bedeutung und Verbreitung der lateinischen Sprache im Reich immer weiter ab. latein Justinian hinterließ seinen Nachfolgern jedoch leere Kassen, und sie waren nicht imstande, mit den neuen Angreifern fertig zu werden, die ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts an den Grenzen auftraten. Die Langobarden besetzten Italien, die Slawen überrannten seit etwa 580 große Teile des Balkans. Mit dem gewaltsamen Tod des Kaisers Maurikios, der einen vorteilhaften Frieden mit den Sassaniden hatte schließen können und energisch gegen die Slawen vorgegangen war, eskalierte die militärische Krise. Seit 602 erlangten die Perser bzw. Sassaniden zeitweilig die Herrschaft über die meisten östlichen Provinzen. Bis 619 hatten sie sogar Ägypten und Syrien, und somit die reichsten oströmischen Provinzen erobert. Sie wurden zwar durch Kaiser Herakleios (610-641) zurückerobert, der das Sassanidenreich 628 schließlich entscheidend schlug. Nach dieser Anstrengung waren die Kräfte des Reichs jedoch erschöpft. Der plötzlichen Expansion der von ihrem neuen, muslimischen Glauben angetriebenen Araber hatte es nicht mehr viel entgegenzusetzen. In der Schlacht am Jarmuk am 20. August 636 unterlagen die Römer einem Heer des zweiten Kalifen Omar, und der ganze Süden des Reichs, einschließlich Syriens und Palästinas ging verloren (siehe auch Islamische Expansion). Im Gegensatz zu seinem langjährigen Rivalen, dem Perserreich der Sassaniden, konnte sich das oströmische bzw. byzantinische Reich jedoch immerhin erfolgreich gegen eine vollständige islamische Eroberung verteidigen; es mußte sich aber nach Kleinasien zurückziehen. Dabei führte die militärische Krise und der endgültige Verlust der reichsten Provinzen zu einer massiven Veränderung im Reich, in dem nun Griechisch endgültig das Lateinische verdrängte. Die spätantiken Strukturen von Staat und Gesellschaft verschwanden in dieser Zeit zu großen Teilen. Von nun an ist es angebracht, statt von Ostrom von Byzanz zu sprechen. Was das Reich an Gebieten verlor, gewann es an Gleichförmigkeit. Die antike Zivilisation war seit Jahrhunderten von der Existenz zahlreicher größerer und kleinerer Städte (poleis) geprägt gewesen; diese Zeit endete nun. Die meisten Städte wurden aufgegeben oder schrumpften auf die Größe von (oft befestigten) Dörfern. Nur Konstantinopel blühte und widerstand innerhalb eines Jahrhunderts drei schweren Belagerungen (626, 674–678 und 717–718). Die südlichen bzw. orientalischen Provinzen unterschieden sich kulturell nicht unerheblich vom Norden und gehörten seit dem 5. Jahrhundert mehrheitlich den orientalisch-orthodoxen, monophysitischen Kirchen an, die mit der griechisch-orthodoxen Kirche der nördlichen Provinzen im Streit lagen. Dieser Streit war wohl einer der Gründe für die baldige Akzeptanz der neuen muslimischen Herren Syriens und Ägyptens. Der Norden gelangte so aber zu größerer Geschlossenheit und höherer Kampfbereitschaft. Kaiser Konstans II. (641668) verlegte seine Residenz von 661–668 ins sizilianische Syrakus, um von dort aus die Seeherrschaft gegen die Araber zu sichern, doch kehrten seine Nachfolger wieder in den Osten zurück. Währenddessen blieb Konstantinopel weiter die größte Stadt der westlichen Welt. Mehrfache Versuche, Konstantinopel zu erobern – unter anderem durch die Araber und später durch die Rus – schlugen alle fehl angesichts der überlegenen byzantinischen Flotte und ihres Monopols, der geheimnisumwitterten brandstiftenden Waffe, des griechischen Feuers. Danach begann das Reich sich zu erholen und konnte vor allem im Donauraum langsam wieder seine Stellung konsolidieren. Es blieb nun auf den Balkan und Kleinasien beschränkt, hinzu kamen noch Gebiete in Italien sowie bis 698 in Nordafrika. Allerdings wurde das berühmte System von Militärprovinzen, den so genannten Themen, wohl erst nach der Regierungszeit des Herakleios geschaffen, um den ständigen Angriffen und dem Sinken des städtischen Lebens außerhalb der Hauptstadt zu begegnen. Tendenzen, die bereits seit langem vorhanden waren, kamen nach 636 in vielen Bereichen von Staat und Gesellschaft voll zum Tragen, zugleich endeten zahlreiche Traditionsstränge - die spätantike Phase des oströmischen Imperiums gelangte an ihr Ende, und es entstand das byzantinische Reich des Mittelalters.

Die mittelbyzantinische Epoche – Zwischen Abwehr und Hegemonie

Mehrmals belagerten die Araber Konstantinopel, zuletzt 71718. Byzanz verlor die Seeherrschaft und konnte mit Mühe Kleinasien halten, wo es immer wieder zu arabischen Überfällen (Razzien) kam. Das gesamte 8. Jahrhundert war von diesen Abwehrkämpfen geprägt, in dem die Initiative fast ausschließlich bei den Feinden von Byzanz lag. Auf dem Balkan befand sich Byzanz ebenfalls in der Defensive, konnte aber Griechenland nach und nach von den Slawen zurück gewinnen. Dafür erwuchs dem Reich ein neuer Gegner, nämlich in Gestalt der Bulgaren, die erfolgreich eine eigene Staatsbildung anstrebten. Der militärisch erfolgreiche Kaiser Leo III. der Isaurier entfachte 730 den Bilderstreit, der über 110 Jahre andauern sollte und mehrmals Bürgerkriege aufflackern ließ, zuletzt den von 843 bis 872 währenden Krieg gegen die Paulikianer. Anfang des 9. Jahrhunderts erholte sich das Reich, wenn es auch vorerst gegen die Bulgaren nichts ausrichten konnte, die sich erfolgreich behaupteten. Auf die Krisenzeit des 8. Jahrhunderts, folgten im 9. und vor allem im 10. Jahrhundert einige bedeutende Erfolge. Unter Nikephoros II. Phokas wurde Kreta von den Arabern zurückerobert. Johannes I. Tzimiskes weitete den byzantinischen Einfluss bis nach Syrien und Palästina aus, während die Bulgaren nieder gehalten wurden. Byzanz schien wieder auf dem Weg zur Hegemonialmacht zu sein. Palästina Das Reich erreichte seinen Höhepunkt unter den makedonischen Kaisern des 10. und frühen 11. Jahrhunderts. Durch die im Jahre 987 vollzogene Heirat der Schwester von Kaiser Basileios II. mit dem russischen Großfürsten Wladimir breitete sich der orthodoxe Glaube allmählich in Russland aus. Die russische Kirche unterstand dem Patriarchen von Konstantinopel. Basileos II. eroberte in jahrelangen Kämpfen das donaubulgarische Reich, was ihm den Beinamen Bulgaroktonos ("Bulgarentöter") einbrachte. Im Jahre 1018 wurde Donaubulgarien byzantinische Provinz, was einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte des Byzantinischen Reiches darstellte. Wie Rom zuvor, fiel es trotzdem bald in eine Periode von Schwierigkeiten, die in hohem Grade durch das Wachstum des Landadels verursacht wurden, der das Themensystem untergrub. Bloß mit seinen alten Feinden, dem Heiligen Römischen Reich und dem Kalifat der Abbasiden konfrontiert, hätte es sich vielleicht erholen können, aber um die gleiche Zeit erschienen neue Eindringlinge auf der Szene, die wenig Grund hatten sein Ansehen zu respektieren – die Normannen, die Italien eroberten und die Seldschuken, die hauptsächlich an Ägypten interessiert waren, aber auch Raubzüge nach Kleinasien, dem wichtigsten Rekrutierungsgebiet für die byzantinische Armee, unternahmen. Nach der Niederlage von Kaiser Romanos IV. im Jahr 1071 bei Mantzikert gegen Alp Arslan, den seldschukischen Sultan, ging der Großteil Kleinasiens verloren, unter anderem auch deshalb, da innere Kämpfe um den Kaiserthron ausbrachen und keine gemeinsame Abwehr gegen die Seldschuken errichtet wurde.

Die Zeit der Komnenenkaiser – Erneutes Aufbäumen

Die letzten Jahrhunderte der byzantinischen Geschichte wurden durch einen Usurpator, Alexios I. Komnenos, geprägt, der anfing, die Armee auf Basis eines Feudalsystems (Pronoia) wiederherzustellen. Es gelangen ihm bedeutende Fortschritte gegen die Seldschuken und auf dem Balkan gegen die Petschenegen. Sein Aufruf um westliche Hilfe brachte ungewollt den ersten Kreuzzug hervor, der ihm half Nicäa und die Westküste Kleinasiens zurück zu erobern. Allerdings hatte der Kreuzzug (auf dem es bereits zu Spannungen zwischen den Kreuzfahrern und den Byzantinern gekommen war) schwerwiegende Folgen, denn die späteren Kreuzzüge entwickelten sich zunehmend feindselig. Alexios gewährte venezianischen Händlern Zugang zu vielen byzantinischen Häfen, doch die Republik Venedig – paradoxerweise einst selbst ein Vorposten byzantinischer Kultur im Westen – wurde zu einer ernsten Bedrohung für das Reich.
Unter Kaiser Johannes II. Komnenos (1118-1143), dem Sohn des Alexios I., und dessen Sohn Manuel I. Komnenos (1143-1180) gelang es, die byzantinische Stellung in Kleinasien und auf dem Balkan zu festigen. Manuel I. Komnenos hatte sich nicht nur mit den Angriffen des Normanischen Königreiches von Süditalien her und dem zweiten Kreuzzug (1147-1149) auseinanderzusetzen, er betrieb auch eine ehrgeizige Westpolitik, die auf territoriale Gewinne in Italien und Ungarn abzielte; dabei geriet er auch in Konflikt mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Auch im Osten konnte er gegen die Seldschuken Erfolge erzielen; sein Versuch, ihr Reich völlig zu unterwerfen, endete allerdings in der vernichteten Niederlage in der Schlacht von Myriokephalon 1176. In der Folge konnten die Seldschuken ihre Macht auf die benachbarten muslimischen Reiche in Kleinasien (Danishmendiden) und auch gegen Byzanz zur Mittelmeerküste hin ausdehnen. Das Reich wurde unter den nachfolgenden Angeloi-Kaisern von schweren inneren Krisen erschüttert, die schließlich dazu führten, dass sich Alexios IV. an die Kreuzfahrer wandte und sie dazu bewegte, für ihn und seinen Vater den Thron zu kämpfen. Als die erhoffte Bezahlung ausblieb, kam es zur Katastrophe: Unter dem Einfluss Venedigs eroberten die Ritter des vierten Kreuzzugs 1204 Konstantinopel und gründeten das kurzlebige Lateinische Kaiserreich. Damit schwächten sie jedoch die byzantinische Macht dauerhaft, was fatale Folgen haben sollte.

Verfall und Untergang

Lateinische Kaiserreich Nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Lateiner entstanden drei byzantinische Nachfolgestaaten: Nicäa, wo Kaiser Theodor I. Laskaris im Exil die byzantinische Tradition aufrecht erhielt, das Epirus und das Kaiserreich Trapezunt, welches sich unter Nachkommen der Komnenen bereits vor der Eroberung Konstantinopels abgespalten hatte. Thedoros I. Laskaris und seinem Nachfolgern Johannes III. Dukas Batatzes (1222-1254) gelang es, in Westkleinasien ein wirtschaftlich blühendes Staatswesen aufzubauen und die Grenze zu den Seldschuken, die sich nach ihrer Niederlage gegen die Mongolen 1243 im Niedergang befanden, zu stabilisieren. Gestützt auf diese Machtbasis konnten die Laskariden erfolgreich auch in Europa expandieren, Thrakien und Makedonien erobern und die Konkurrenten um die Rückgewinnung Konstantinopels (Reich von Epiros, das nach einer Niederlage gegen die Bulgaren 1230 stark geschwächt war, und das Bulgarenreich, das auch durch den Mongoleneinfall 1241 stark beeinträchtigt wurde) aus dem Feld schlagen. Nach der kurzen Regierung des hochgebildeten Theodoros II. Laskaris (1254-1258) konnte der erfolgreiche Feldherr Michael Palaiologos die Regentschaft für den minderjährigen Johannes IV. Laskaris übernehmen, den er schließlich blenden und in ein Kloster schicken ließ und so die neue Dynastie der Palaiologen, die das Reich bis zu seinem Untergang regieren sollte, begründen. Michael VIII. Palaiologos (1259-1282) konnte eine Allianz seiner Gegner (Epiros, Fürstentum Achaia, Königreich Sizilien, Serbien und Bulgarien) 1259 in der Schlacht bei Pelagonia in Makedonien besiegen und 1261 durch einen glücklichen Zufall aus Konstantinopel wieder einnehmen. Seine Hauptsorge galt aber nun der Sicherung des europäischen Besitzstandes und vor allem der Hauptstadt gegen erneute Kreuzzugsversuche aus dem Westen (vor allem durch Karl I. Anjou, der die Staufer in Unteritalien ablöste); deshalb ging Michael VIII. 1274 auch die innenpolitisch höchst umstrittene Union von Lyon mit der Westkirche ein, um den Papst von der Unterstützung von Kreuzzügen abzuhalten. Als Karl I. Anjou dennoch einen Angriff vorbereitete, konnte die byzantinischen Diplomatie 1282 einen Aufstand in Sizilien (Sizilianische Vesper) in Gang setzen. Daneben aber vernachlässigten die Palaiologen die Grenzverteidigung im Osten, was den verschiedenen türkischen Staaten, die sich während des Zerfalls des Seldschukenreiches etablierten, die Expansion nach Westkleinasien ermöglichte, das sukzessive bis in die 1330er Jahre fast vollständig dem Reich verloren ging. Während sich in Kleinasien auf dem ehemaligen Reichsgebiet verschiedene türkische Emirate etablierten (Menteshe, Aydin, Germiyan, Saruhan, Karasi und die Osmanen in Bithynien), leistete sich das Reich mehrere Bürgerkriege (die längsten zwischen Andronikos II. Palaiologos (1282-1328) und seinem Enkel Andronikos III. Palaiologos in den Jahren von 1321 bis 1328; zwischen Johannes V. Palaiologos und Johannes VI. Kantakuzenos von 1341 bis 1347 und 1353/1354); dabei suchten beide Parteien die Hilfe der Nachbarn (Serbien, Bulgaren, aber auch Aydin und Osmanen). Dies ermöglichte auch dem Serbenreich unter Stefan Uroš IV. Dušan zu beherrschenden Macht des Balkans aufzusteigen und Makedonien, Albanien und Thessalien zu erobern. Mit seiner Krönung zum Zaren der Serben und Selbstherrscher der Griechen beanspruchte Stefan Dušan auch den byzantinischen Kaiserthron und die Herrschaft über Konstantinopel (slawisch Zargrad). Es gelang ihm aber nicht einmal, die zweite Haupstadt Thessalonike zu erobern und sein Reich zerfiel nach seinem Tod 1355 in mehrere Teilstaaten. Während also die christliche Staatenwelt des Balkan zerstritten war, setzten sich ab 1352 die Osmanen auch in Europa fest und konnten in das noch byzantinische Thrakien expandieren, das sie bis in die 1370er Jahre großteils eroberten. Nach einem ersten Sieg über die Serben 1371 an der Maritza konnten sie sukzessive auch Makedonien einnehmen; das zu einem Kleinstaat gewordene Byzanz (Konstantinopel samt Umland, Thessalonike mit Umland, einige Ägäisinseln, Despotat von Mistra auf der Peloponnes) wurde den Osmanen tributpflichtig. Mehrmals ersuchte Byzanz im Westen um Hilfe und bot dafür sogar die Kirchenunion (1439 auf dem Konzil von Ferrara und Florenz) an, was jedoch am Widerstand der byzantinischen Bevölkerung scheiterte. Nach der Schlacht auf dem Amselfeld 1389 und der Niederlage der westlichen Kreuzfahrer 1396 bei Nikopolis schien die Lage des Reiches aussichtslos, doch gewährte die Niederlage der Osmanen gegen Timur Leng bei Angora 1402 den Byzantinern einer kurze Atempause. Nachdem sich das Osmanenreich aber wieder stabilisiert hatte, wurde Konstantinopel wieder schnell zum Ziel der osmanischen Expansionspolitik und fiel nach einem ersten, erfolglosen Angriff im Jahre 1422 am 29. Mai 1453 nach knapp zweimonatiger Belagerung an Mehmed II. Die Stadt wurde drei Tage lang geplündert. Der letzte byzantinische Kaiser, Konstantin XI., fiel während der Kämpfe um die Stadt. Der Fall von Byzanz ist ein Wendepunkt der Geschichte. Stefan Zweig schildert den historischen Moment in den "Sternstunden der Menschheit" in unvergleichlicher Form: "Etwas ganz Unwahrscheinliches hat sich begeben. Durch eine der vielen Breschen der Außenmauern sind unweit der eigentlichen Angriffsstelle ein paar Türken eingedrungen. Gegen die Innenmauer wagen sie sich nicht vor. Aber als sie so neugierig und planlos zwischen der ersten und der zweiten Stadtmauer herumirren, entdecken sie, daß eines der kleinen Tore des inneren Stadtwalls, die sogenannte Kerkaporta, durch ein unbegreifliches Versehen offen geblieben ist. Es ist an sich nur eine kleine Tür, in Friedenszeiten für die Fußgänger bestimmt, während jener Stunden, da die großen Tore noch geschlossen sind; gerade weil sie keine militärische Bedeutung besitzt, hat man in der allgemeinen Aufregung der letzten Nacht offenbar ihre Existenz vergessen." Der 29. Mai gilt auch heute noch bei den Griechen als Unglückstag, denn es begann die lange türkische Fremdherrschaft, während der nur die Religion als bindende Kraft erhalten blieb. Bis 1461 wurden auch die restlichen Städte – wie Trapezunt am östlichen Schwarzen Meer und Misthra auf der Halbinsel Morea (Peloponnes) – ebenfalls erobert. Lediglich Monemvasia auf dem Peloponnes blieb frei und unterstellte sich 1464 dem Protektorat Venedigs. Das Byzantinische Reich, das sich als eines der langlebigsten der Weltgeschichte erwiesen hatte, war damit untergegangen. Die Anfangs- und Enddaten der Unabhängigkeit der Hauptstadt, 395 und 1453, galten lange als zeitliche Grenzen des Mittelalters.

Das kulturelle Fortwirken von Byzanz

Das Byzantinische Reich führte die Kultur und das Wissen der Antike bis ins späte Mittelalter fort und gab es an die islamische Welt weiter. Byzantinische Flüchtlinge brachten die alten Schriften der griechischen Philosophen in die italienischen Städte und lösten dort – zusammen mit dem etwa gleichzeitig erfundenen Buchdruck – die Renaissance aus. Am längsten bestand die byzantinische Kultur auf dem damals noch venezianischen Kreta fort, das erst 1669 von den Osmanen erobert werden konnte. Bis heute wirkt die byzantinische Kultur fort vor allem im Ritus der östlich-orthodoxen Kirchen. Durch byzantinische Missionsarbeit verbreitete sich das orthodoxe Christentum bei vielen slawischen Völkern und ist bis in die Gegenwart die vorherrschende Konfession in Osteuropa und Griechenland, wie auch in Teilen von Südosteuropa und Kaukasien, sowie bei den meisten arabischen Christen. Die byzantinische Kultur und Denkweise hat alle orthodoxen Völker tief geprägt. Die slawischen Reiche auf dem Balkan und am Schwarzen Meer übernahmen neben der orthodoxen Kirche auch profane byzantinische Bräuche. Vor allem Russland sollte das Erbe des Byzantinischen Reiches fortführen. Schon im 9. Jahrhundert kamen die Rus mit Byzanz in Kontakt, und in Folge entwickelten sich – trotz immer wiederkehrender Versuche von Seiten der Rus Konstantinopel zu erobern – intensive wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und der Kiewer Rus, die 988 zum Übertritt der Rus zum orthodoxen Glauben führten. In den folgenden Jahrhunderten wurden auf ostslawischem Gebiet zahlreiche prachtvolle Kirchen nach byzantinischem Vorbild gebaut, byzantinische Priester und Mönche brachten die kyrillische Schrift mit und machten die Russen mit rudimentärer griechischer Philosophie vertraut. Die russische Architektur und Kunst hat neben skandinavischen und slawischen vor allem byzantinische Wurzeln. Nach dem Untergang des Byzantinischen Reichs übernahm dann das russische Moskowiterreich in vielen Teilen byzantinisches Zeremoniell. Der Patriarch von Moskau errang bald eine ähnlich prominente Stellung innerhalb der orthodoxen Kirche wie vormals der Patriarch von Konstantinopel. Moskau sah sich bald als Drittes Rom in der Nachfolge Konstantinopels. Iwan III., Herrscher des Großfürstentums Moskau, heiratete die Nichte von Konstantin XI., Zoe, und übernahm den byzantinischen Doppeladler als Wappentier. Iwan IV., genannt „der Schreckliche“, war der erste moskowitische Herrscher, der sich schließlich offiziell zum Zaren (Caesar) krönen ließ. Die beinah kontinuierlich betriebene panslawistische Hegemonialpolitik Russlands kann in diesem Sinne als Fortwirken des römisch-byzantinischen Gedanken eines universalen Kaiserreichs interpretiert werden. Die russische Außenpolitik richtete sich vor allem gegen das Osmanische Reich und hatte bis in das 20. Jahrhundert hinein die Rückeroberung Konstantinopels für die orthodoxe Christenheit zum Ziel. Aber auch die osmanischen Sultane betrachteten sich als legitime Erben des Byzantinischen Reiches, obwohl die seldschukischen und osmanischen Türken jahrhundertelang Erzfeinde der Rhomäer gewesen waren und das Byzantinische Reich letztlich vernichtet hatten.
Schon Sultan Mehmed II. bezeichnete sich als „Kayser-i Rum“ (Kaiser von Rom) - die Sultane stellten sich somit ganz bewusst in die Kontinuität des (Ost-)Römischen Reiches, um sich zu legitimieren. Das Osmanische Reich, das sich in der Auseinandersetzung mit Byzanz entwickelte, hatte mit diesem mehr als nur den geografischen Raum gemeinsam. Der Historiker Arnold J. Toynbee bezeichnete das Osmanische Reich - allerdings sehr umstritten - als Universalstaat des „christlich-orthodoxen Gesellschaftskörpers“. Eine staatsrechtliche Fortsetzung fand das byzantinische Reich jedenfalls nicht.

Zeittafel


- 326: Grundsteinlegung Konstantinopels
- 330: Am 1. Mai 330 wird Konstantinopel als Nova Roma Hauptstadt des Römischen Reiches
- 395: Reichsteilung
- 451: Konzil von Chalcedon
- 533: Der Feldherr Belisar erobert Karthago
- 535555: Ostgotenkriege des Kaisers Justinian I.
- 582: Awaren und Slawen dringen auf dem Balkan vor
- 610: Die von Karthago aus operierende Flotte unter Herakleios besetzt Konstantinopel. Sturz und Hinrichtung des Kaisers Phokas. Herakleios wird Kaiser, Beginn des Mittelbyzantinischen Reiches. Griechisch wird Amtssprache, Kaisertitel Basileus statt Imperator.
- 611619: Die Sassaniden überrennen die orientalischen Besitzungen von Byzanz
- 622: Beginn der byzantinischen Gegenoffensive unter Kaiser Herakleios
- 626: Awaren, Slawen und Perser belagern Konstantinopel, Verlust der letzten Besitzungen auf dem spanischen Festland an die Westgoten.
- 627: Sieg über die Sassaniden im Nordirak. Rückgabe aller eroberten Gebiete durch die Sassaniden. Byzanz ist alleinige Großmacht zwischen Gibraltar und dem Indus.
- 636: Niederlage bei der Schlacht am Jarmuk gegen die Araber. In den folgenden Jahren fallen sämtliche orientalischen Besitzungen an die Araber (bis 640 auch Ägypten und der Rest Syriens), ausgenommen Kleinasien. Ende der Spätantike.
- 697/698: Karthago fällt an die Araber. Endgültiger Untergang des byzantinischen Nordafrikas
- 730843: Byzantinischer Bilderstreit
- 797: Kaiserin Irene: Erstmals Alleinregierung einer Frau im Römischen Reich. Der römische Papst nimmt dies zum Anlass, den Frankenkönig Karl zum römischen Kaiser zu krönen, da er die Herrschaft einer Frau nicht anerkennt.
- 860: Erster Flottenangriff der warägischen Rus auf Konstantinopel.
- 869: Photius-Schisma
- 872: Basileios I. besiegt und vernichtet die Paulikianer.
- 907: Flottenangriff der Rus auf Konstantinopel, der byzantinische Kaiser zahlt Tribut und bietet Handelsprivilegien an. Weitere Angriffe folgen 911 und 940.
- 944: Die Byzantiner erobern Edessa von den Arabern zurück
- 1018: Eroberung des Bulgarenreiches. Die Donaugrenze ist wiederhergestellt.
- 1054: Morgenländisches Schisma
- 1071: Niederlage bei Mantzikert gegen die Seldschuken
- 1096: Beginn des Ersten Kreuzzugs
- 1176: Byzantinische Niederlage bei Myriokephalon. Letzter ernsthafter Versuch einer byzantinischen Rückeroberung des türkischen Teils Kleinasiens
- 1186: Abfall Bulgariens von Byzanz. Die byzantinische Vorherrschaft auf dem Balkan ist beendet
- 1204: Eroberung von Byzanz im vierten Kreuzzug, Errichtung eines römisch-katholischen Gegenreichs
- 1261: Rückeroberung von Konstantinopel
- 1274: Auf dem Konzil von Lyons wird die Wiedervereinigung der West- und Ostkirche verkündet. Die Union scheitert jedoch nach kurzer Zeit.
- 1351: Der Hesychasmus wird anerkannt und revitalisiert die byzantinische Spiritualität.
- 1352: Übergreifen der Osmanen auf europäischen Boden. Bereits vorher ist Kleinasien verloren gegangen, mit Ausnahme einiger Enklaven
- 1439: Auf dem Konzil von Florenz wird die Wiedervereinigung der West- und Ostkirche verkündet. Die Union scheitert jedoch wiederum am Widerstand der einfachen Christen des Ostens.
- 29. Mai 1453: Konstantinopel wird von den Osmanen erobert.
- 1460: Die Osmanen erobern das byzantinische Despotat Morea auf dem Peloponnes.
- 1461: Eroberung des kleinen Kaiserreiches Trapezunt durch die Osmanen. Der letzte Kaiser, David Komnenos, wird später hingerichtet.
- 1923: nach dem Vertrag von Lausanne werden etwa 1,5 Millionen Griechen und griechisch-orthodoxe Türken aus Kleinasien nach Griechenland zwangsumgesiedelt, desgleichen etwa 0,5 Millionen Türken und muslimische Griechen aus Griechenland in die Türkei.

Siehe auch


- Byzantinische Kaiser
- Ämter und Titel im byzantinischen Reich
- Byzantinische Kunst
- Byzantinischer Bilderstreit
- Zirkusparteien

Literatur

Quellen


- Anna Komnene: Alexias, dt. Übersetzung von Diether Roderich Reinsch, DuMont, Köln 1996. ISBN 3-7701-3492-3
http://www.fordham.edu/halsall/basis/AnnaComnena-Alexiad.html (englische Übersetzung)
- Maurikios: Strategikon. ISBN 0812217721. (englische Übersetzung)
- [http://homepage.mac.com/paulstephenson/trans.html Quellen in englischer Übersetzung]

Sekundärliteratur

Allgemein sei auch auf die Byzantinische Zeitschrift als erste Informationsquelle hingewiesen.
- Zum Nachschlagen:
  - The Oxford dictionary of Byzantium. 3 Bände. New York, Oxford University Press 1991, ISBN 0-19-504652-8
- In deutscher Sprache:
  - Ludwig Wamser (Hrsg.): Die Welt von Byzanz - Europas östliches Erbe: Glanz, Krisen und Fortleben einer tausendjährigen Kultur, Archäologische Staatssammlung München - Museum für Vor- und Frühgeschichte München vom 22. Oktober 2004 bis 3. April 2005, Schriftenreihe der Archäologischen Staatssammlung 4, Theiss, Stuttgart 2004. ISBN 3806218498.
  - Ralph-Johannes Lilie: Byzanz – Das zweite Rom, Berlin 2003, ISBN 3-886-80693-6.
Jüngste und umfangreichste Darstellung der Geschichte von Byzanz in deutscher Sprache. Dort findet sich auch weiterführende Literatur.
  - Ralph-Johannes Lilie: Byzanz und die Kreuzzüge, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-017033-3
  - Georg Ostrogorsky: Geschichte des byzantinischen Staates, Handbuch der Altertumswissenschaft XII 1.2, 3. Auflage, München 1963. ISBN 3-4060-14143
Veraltete Darstellung, dennoch gut lesbar. (als Sonderausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat: Byzantinische Geschichte 324 bis 1453, München 1996. ISBN 3-406-39759-X)
  - Steven Runciman: Die Eroberung von Konstantinopel. ISBN 3-406-02528-5
Das Standardwerk zum Thema.
  - Steven Runciman: Byzanz. Von der Gründung bis zum Fall Konstantinopels. Zürich 1969
  - Peter Schreiner: Byzanz, Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 2. Aufl., München 1994. ISBN 3-486-530720.
Gute und knappe Einführung mit Forschungsteil.
  - John Haldon: Das Byzantinische Reich, Düsseldorf 2002. ISBN 3538071403.
Detailstudie einiger Aspekte der Geschichte und Kultur von Byzanz.
  - Andre Ducellier: Byzanz. Das Reich und die Stadt, Ullstein, Berlin 1999. ISBN 3-548-26555-3
  - John J. Norwich: Byzanz - Aufstieg und Fall eines Weltreichs, Berlin 2002. ISBN 3-549-07156-6.
Gute populärwissenschaftliche Byzanzchronik
- Nur in englischer Sprache erhältliche Bücher:
  - John Haldon: Warfare, State and Society in the Byzantine World. 1999, ISBN 1-857-28495-X.
Umfangreiche und tiefgreifende Studie über das byzantinische Militär
  - John Haldon: The Byzantine Wars. ISBN 0-752-41795-9.
Überblick über die byzantinischen Kriege
  - John Haldon: Byzantium at War. ISBN 1-841-76360-8.
Populärwissenschaftliche Einführung in das byzantinische Militärwesen
  - Dimitri Obolensky: Byzantium and the Slavs. ISBN 0-881-41008-X.
Studie zum byzantinischen Erbe bei den slawischen Völkern
  - Cyril Mango (ed.), The Oxford history of Byzantium, Oxford 2002, ISBN 0-19-814098-3

Weblinks


- [http://www.fordham.edu/halsall/byzantium/texts/byzhistorio.html Knapper Quellenüberblick von Prof. Halsall]
- [http://www.fordham.edu/halsall/byzantium Wissenschaftliches Internetportal zur byzantinischen Geschichte (englisch)]
- [http://www.fordham.edu/halsall/medweb Linkliste zum byzaninischen Reich (englisch)]
- [http://www.uni-koeln.de/phil-fak/ifa/byzneograez/byzantinistik/links/d_byz_links.htm Byzantinistik-Linkliste der Universität Köln]
- [http://www.ub.uni-konstanz.de/fi/arc/byzantinistik.htm Byzantinistik-Linkliste der Universität Konstanz]
- [http://www.geocities.com/Athens/Oracle/7823/germ/eroberung.html Die Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453]
- [http://www.messala.de/byzantinische_geschichte.htm Byzantinische Geschichte]
- [http://janeden.org/2176 Bildungsgeschichte des byzantinischen Reiches]
- [http://www.byzantium.de.vu Informative Seite über Byzanz]
- [http://www.univie.ac.at/byzneo/ Seite des Instituts für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien mit Links zu weiteren Forschungseinrichtungen, Projekten und Informationen über verschiedene Aspekte von Byzanz]
- [http://www.mittelalter-genealogie.de/_byzanz/ Byzanz - eine Materialsammlung]
- [http://www.antikefan.de/kulturen/byzanz.html Das byzantinische (oströmische) Reich] ! Kategorie:Staat (historisch) ja:東ローマ帝国 ko:비잔티움 제국

472

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Als sich die Beziehungen zwischen dem weströmischen Kaiser Anthemius und dem starken Mann des Reichs, Heerführer Ricimer, verschlechtern, setzt letzterer Anthemis ab, proklamiert Olybrius zum neuen Kaiser und belagert Rom, wo sich Anthemis aufhält. Anthemis kommt am 11. Juli ums Leben, als er versucht, aus der Stadt zu fliehen. Ricimer selbst stirbt allerdings wenig später. Der Konsul Olybrius war bereits 467 von Geiserich für das Amt des Kaisers vorgeschlagen worden. Diesmal war er eigentlich nur nach Rom gekommen, um in den Streitigkeiten zu vermitteln. Sein Amt als Kaiser hat der vom oströmischen Kaiser Leo I. nicht anerkannte Olybrius nur wenige Monate inne, da er Ende des Jahres stirbt, woraufhin der Kaiserthron einige Monate unbesetzt bleibt.
- Neuer oberster Heerführer und Patricius Westroms nach Ricimers Tod wird Gundobad, Sohn des Königs der Burgunden, Gundioch, und Neffe Ricimers.

Geboren


-

Gestorben


- 11. Juli - Anthemius, weströmischer Kaiser seit 467 (
- um 420)
- 18. August - Ricimer, weströmischer Heerführer (
- um 405)
- 23. Oktober - Olybrius, weströmischer Kaiser
- Song Ming-di, Kaiser von China
- vor 472 - Priscus, oströmischer Diplomat (
- um 415)

Staatsoberhäupter

Afrika


- Vandalisches Königreich - Geiserich, König der Wandalen und Alanen (428 - 477)

Asien


- Japan - Yūryaku, japanischer Kaiser (456 - 479)

Europa


- Burgundisches Königreich - Gundioch, König der Burgunder (436 - 473)
- Byzantinisches Reich - Leo I., byzantinischer Kaiser (457 - 474)
- Frankenreich - Childerich I., König der Salfranken (457 - 482)
- Tolosanisches Reich - Eurich, König der Westgoten (466 - 484)
- Weströmisches Reich -
  - Anthemius, römischer Kaiser (467 - 472)
  - Olybrius, römischer Kaiser (472)
  - Leo I. (Ostrom) in Personalunion, byzantinischer Kaiser (472 - 473) ko:472년

Attila

Attila (auch als "Etzel" bekannt; † 453) war ein König der Hunnen, der als so genannte "Geißel Gottes" Europa bedrängte und ein heterogen zusammengesetztes und nur kurze Zeit existierendes Großreich errichtete.

Leben

Attila, der sich in seiner Jugend am römischen Hof in Ravenna als Geisel aufgehalten hatte, vollendete zusammen mit seinem Bruder Bleda die von ihrem Onkel Rua (Ruga) begonnene Einigung der Hunnen, wenn Attila auch nie über alle Hunnen herrschte. Das neue Reich, über das er seit 434 zusammen mit Bleda herrschte, umfasste zudem höchst verschiedene iranische und germanische Völkerschaften, wobei es sich in etwa vom Kaukasus bis zum Rhein erstreckte. Attila, der seinen Bruder Bleda um 445 ermorden ließ, bezog Hof in der heutigen ungarischen Tiefebene an der Theiß. Zum weströmischen Reich unterhielt Attila zunächst gute Kontakte. Grund dafür war vor allem die Politik des römischen Magister militum Flavius Aetius, der eine zeitlang Geisel bei den Hunnen gewesen war und sie daher gut kannte. Er war mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen an die Macht gekommen und hatte mit ihrer Hilfe auch das Burgunderreich von Worms um 436 vernichtet (dies ist der historische Kern der Nibelungensaga; bei den dort auftauchenden Hunnen handelt es sich um römische Hilfstruppen, nicht um Attilas Truppen). Aetius trat Attila sogar Teile Pannoniens ab. Trotz mancher Raubzüge, die materiellen Gewinn einbrachten, sah Attila eine Anlehnung an das Römische Reich zweifellos als einen wichtigen Faktor zur Stabilisierung seines lose aufgebauten Herrschaftsraumes an, zumal auch einige Römer in der hunnischen "Verwaltung" arbeiteten (beispielsweise Orestes, der später seinen Sohn Romulus Augustulus zum [in der traditionellen Zählung] letzten weströmischen Kaiser ausrufen ließ). 450 stellte der oströmische Kaiser Markian die jährlichen Tributzahlungen an die Hunnen ein. Attila musste sich nach einer neuen Quelle umsehen, zumal der Balkan kaum mehr Beute hergegeben hätte, und fand diese: Im weströmischen Reich war die Schwester Kaiser Valentinians III., Justa Grata Honoria, aufgrund des Bruchs eines Keuschheitsgelübdes zeitweise nach Konstantinopel verbannt worden. Nun ließ Honoria Attila angeblich ein Heiratsangebot zukommen, um sich so zu rächen. So seltsam diese Geschichte klingen mag, Attila erhob jedenfalls Ansprüche auf Teile des weströmischen Reiches. Valentinian dachte jedoch verständlicherweise gar nicht daran, dem nachzukommen, woraufhin Attila in Gallien einfiel. Metz und Orleans fielen, doch war es Aetius in der Zwischenzeit gelungen, einen effektiven Widerstand zu organisieren, wobei er sich vor allem auf die in Aquitanien angesiedelten Westgoten verließ, denen daran gelegen sein musste, Attila so weit wie möglich von ihrem Siedlungsland fernzuhalten. In der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (die bis heute nicht genau lokalisiert werden konnten) im Jahre 451 wurde Attilas Vielvölkerheer zurückgeschlagen. Attila zog sich zurück, was Aetius zuließ, und fiel 452 in Italien ein. Aquileia wurde restlos zerstört, Mailand, Bergamo und andere Städte erobert. Die halblegendäre Begegnung des Papstes Leo I. beinhaltet vielleicht einen historischen Kern (auch wenn das Treffen nicht vor Rom stattfand), doch war es letztendlich Aetius Verdienst, Attilas Militärkraft soweit geschwächt zu haben, dass an eine Eroberung Roms nicht mehr zu denken war, zumal das Heer auch durch Seuchen geschwächt war. Attila zog sich in seinen alten Herrschaftsraum zurück und starb 453 in seiner Hochzeitsnacht mit der Gotin Ildikó. Sein Reich überdauerte sein Ende nur um kurze Zeit. Es kam zu Nachfolgekämpfen und mehrere unterdrückte Völker brachen aus dem hunnischen Reich aus, welches bald darauf zusammenbrach. Attila wird in den zeitgenössischen Quellen sehr düster beschrieben, was sicherlich auch seinen teils mit äußerster Brutalität geführten Kriegszügen Rechnung trug. Dennoch waren Attilas Intentionen wohl weitreichender als nur möglichst viel Beute zusammen zu tragen. Attila lehnte sich an die spätantike Mittelmeerwelt an, wobei er wohl die römische Herrschaftspraxis als Vorbild für die Regierung seines weite Räume umfassenden Vielvölkerreiches nahm. Das Hunnenreich, welches ein Vorbote der darauffolgenden Reiche der Steppenvölker im Mittelalter war (siehe beispielsweise Awaren), war jedoch zu lose aufgebaut und zu sehr auf den Herrscher ausgerichtet, zumal Attila als Feldherr einige Fehler unterliefen . Eine eindrucksvolle Schilderung des Hunnenhofes bietet der Historiker Priscus.

Rezeption

Attila lebte als legendäre Figur weiter, insbesondere in der Gestalt des Etzel im Nibelungenlied (oder des Atli in der Volsunga Saga und des Attilius in der Thidrekssaga). Auch die Legende der Hl. Ursula hielt seinen Namen populär. Vor- und frühgeschichtliche Bodendenkmäler wurden in Mittelalter und früher Neuzeit nicht selten mit Attila und seinen Hunnen in Verbindung gebracht. So ist im 14. Jahrhundert der Name "Etzelsburg" für das Römerkastell "Schirenhof" bei Schwäbisch Gmünd belegt. Es soll historisch überliefert sein, daß Attila ein kleiner, schmächtiger und rotbärtiger Mann war.

Namensherkunft

Der Name "Attila" stammt womöglich vom Geburtsort des Hunnen-Herrschers: Dieser wurde in der Nähe der Wolga geboren, die die Onoguren Atil und die ihnen verwandten Sabiren Etil nannten. Auch die Magyaren nannten den Fluss ähnlich: Etel. Etele ist in Ungarn auch heute noch eine Variante des Namens Attila. Eine andere Bedeutung wäre, dass der Name aus den Wörtern atta (Vater) und il (Land, Gebiet) zusammengesetzt ist. Demnach hieße "Attila" Landesvater. Die bekannteste Version ist jedoch, dass "Attila" mit Väterchen zu übersetzen ist (aus alttürk.: atta - > Vater; vgl. auch Atatürk). Diese Thesen der Namensherkunft werden überwiegend von der heutigen türkischen Turkologie vertreten. Nach überwiegend deutschsprachiger Auffassung stamme der Begriff "Attila" von der gotischen Sprache ab und sei vom Worte "atta" abgeleitet. Als Quelle dieser Herkunft wird die westgotische Bibelübersetzung des Wulfila angeführt, in der das Wort "Ata" die Bedeutung "Vater" hatte. Demnach wäre "Attila" als Verkleinerungsform aufzufassen und ebenfalls mit "Väterchen" zu übersetzen. Der Name an für sich wurde vermutlich als "Attila" von den Römern übernommen und verbreitet. Im Nibelungenlied, das auf Mittelhochdeutsch verfasst wurde, wird Attila als Etzel bezeichnet. "Attila" und "Ildikó" sind heute noch populäre Namen in Ungarn. Attila heißt seit den Zeiten der Eroberungen des heutigen Ungarn auch der kurze Rock der ungarischen Nationaltracht.

Siehe auch


- Aetius
- Hunnen
- Spätantike

Literatur


- E.A. Thompson: The Huns, 2. durchgesehene und mit einem Nachwort von Peter J. Heather versehene Aufl., Oxford 1996.
- Gerhard Wirth: Attila. Das Hunnenreich und Europa, Stuttgart 1999. - ISBN 3-17-014232-1 Die beste deutschsprachige Darstellung zum Thema!

Weblinks


- [http://www.northvegr.org/lore/bury/017.php Ausschnitt aus J.B. Burys "The Invasion of Europe by the Barbarians"]
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,2137247,00.html ZDF: Attila und der Hunnensturm über Europa] Kategorie:Mann Kategorie:Hunne Kategorie:Khan Kategorie:Militärperson (Altertum) Kategorie:Spätantike Kategorie:Geboren 406 Kategorie:Gestorben 453 ja:アッティラ ko:아틸라 ms:Atilla

Spätantike

, Türkei, (Baubeginn 325, Neubau unter Justinian I.). Die Minarette wurden erst nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 hinzugefügt]] Spätantike ist eine moderne Bezeichnung für die Epoche der Mittelmeerwelt im Übergang von der Antike zum Mittelalter; der Begriff selbst wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom österreichischen Kunsthistoriker Alois Riegl geschaffen. Auch wenn die zeitliche Abgrenzung der Spätantike in der Forschung umstritten ist, gilt als Beginn dieser Übergangsepoche meist der Regierungsantritt des römischen Kaisers Diokletian 284 n. Chr. Das Ende ist Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Als grober Rahmen kann gelten: Im Westen des römischen Reiches dauert die Spätantike mindestens bis zur Ablösung des letzten Kaisers Romulus Augustulus im Jahre 476, eher aber bis zum Einfall der Langobarden in Italien (568). Im Osten reicht die Epoche bis etwa zum Tod des oströmischen Kaisers Justinian I. 565 n. Chr. bzw. bis zur arabischen Expansion (ab 632). Die Spätantike bildet einen relativ eigenständigen Zeitraum des Altertums, der zwar nicht mehr der klassischen Antike angehört, aber auch noch nicht dem Mittelalter zugerechnet werden kann. Sie ist durch ein Nebeneinander von antiken Traditionen und christlich-germanischer Überformung gekennzeichnet. Statt wie früher von einem Niedergang, sollte für die Jahre von ca. 300 bis 600 eher von einer Transformation des antiken Erbes gesprochen werden. Ein herausragendes Ereignis dieser Epoche stellt der Siegeszug des Christentums und damit verbunden der langsame Niedergang heidnischer Traditionen dar. Auch in der Kunst und der Literatur entsteht durch die Ablösung klassisch römischer durch christlich geprägte Formen und Themen ein eigener, charakteristischer Stil. Die Spätantike steht außerdem unter den Zeichen der Reformierung von Heer und Verwaltung durch Diokletian und Konstantin den Großen, der Zementierung der sakralen Stellung des Kaisers, der Völkerwanderung und in deren Folge schließlich der Transformation des westlichen Teils des römischen Reiches in jene germanisch-romanische Welt, die das westliche Mittelalter prägen sollte.

Zeitliche Abgrenzung

Allgemeines

Die zeitliche Abgrenzung der Spätantike ist – wie Epocheneinschnitte allgemein – Gegenstand der geschichtswissenschaftlichen Diskussion und bis zu einem gewissen Grad willkürlich gesetzt. Die Jahrhunderte zwischen Diokletian und Mohammed stellen eine Übergangsepoche dar, bei der es schwerfällt, eindeutige Schnitte zu setzen. Nicht alle Forschungsrichtungen gewichten die verschiedenen politik-, kunst-, kultur- und religionshistorischen Faktoren des allmählichen Wandels gleich. Zudem gibt es erhebliche regionale Unterschiede, im östlichen Mittelmeerraum hielten sich antike Strukturen fraglos länger als etwa am Rhein oder in Britannien. Für den Beginn wird meist das Jahr 284 n. Chr. (Herrschaftsantritt Diokletians) angegeben, aber auch die Zeit Konstantins mit ihrer religiösen Neuorientierung kann als entscheidender Einschnitt gelten. Hingegen ist das Ende der Spätantike weitgehend offen, da je nach Lehrmeinung und Forschungsinteresse verschiedene Ansätze möglich sind.

Die Frage nach dem „Ende der Antike“

Früher wurde für das Ende der Spätantike oft ein Einschnitt mit dem Ende des römischen Reiches im Westen 476 n. Chr. gesetzt (so vor allem die ältere Lehrmeinung, beispielsweise Otto Seeck, anders dagegen bereits Ernst Kornemann und auch Adolf Lippold). Diese Vorstellung lässt sich in den Quellen, etwa bei Marcellinus Comes, aber erst gut 40 Jahre später fassen. Es erscheint heute als mehr als fraglich, ob die damaligen Menschen dieses Jahr ebenfalls als Zäsur begriffen haben: Es gab zwar in Ravenna keinen Kaiser mehr, aber dies bedeutete nur, dass die Herrschaftsrechte im Westen nun auf den oströmischen Kaiser übergingen - und noch Justinian I. hat diese Ansprüche dann auch tatsächlich verwirklichen wollen. In der neueren Forschung wird dem Jahr 476 daher nicht mehr so viel Gewicht beigemessen wie früher. 476 Sehr vereinzelt wird heute schon die Reichsteilung nach dem Tod des römischen Kaisers Theodosius I. im Jahre 395, meist aber erst das Ende der Regierung Justinians I. im Jahre 565 als entscheidende Zäsur gewählt. Justinian stand noch klar in der Tradition der antiken römischen Kaiser, was unter anderem in seiner universalen Herrschaftsauffassung deutlich wird; er betrieb gar eine Politik, die auf die Wiederherstellung des Reiches in seinen alten Grenzen abzielte (Restauratio imperii), was in Teilen sogar kurzfristig gelang. Der letzte große Zug der spätantiken Völkerwanderung, der Einfall der Langobarden in Italien, erfolgte 568, nur drei Jahre nach Justinians Tod, so dass die 560er Jahre für den ganzen Mittelmeerraum einen deutlichen Einschnitt markieren. Damit ergeben sich als die derzeit gängigste Begrenzung der Epoche also die Jahre 284 bis 565. Nicht wenige Historiker setzen das Ende der Epoche aber deutlich später an, und zwar mit dem Einbruch der Araber in den Mittelmeerraum (siehe auch so genannte Pirenne-These). Dass die Kontakte zwischen Ostrom und dem Westen noch zu Beginn des siebenten Jahrhunderts recht eng waren, wird heute nicht mehr bestritten. Das letzte antike Monument auf dem Forum Romanum ist die Säule des oströmischen Kaisers Phokas (602-610). Unabhängig davon, dass Pirennes Annahme, erst islamische Seeräuber hätten die antike "Einheit der Mittelmeerwelt" zerstört, heute als widerlegt gilt, stellt die arabische Expansion zumindest für das Oströmische Reich einen massiven Einschnitt dar, da das Imperium nun im wesentlichen auf Kleinasien und den Balkan beschränkt war und sich unter dem äußeren Druck auch im Innern vieler antiker Traditionen entledigte. Erst unter Kaiser Herakleios (610-641) endete damit die spätrömische Phase des Oströmischen Reiches, dessen Reste sich dann in das mittelalterliche Byzanz verwandelten. Insgesamt herrscht im anglo-amerikanischen Raum die Tendenz vor, das Ende der Antike frühestens mit dem Ende der Herrschaft Justinians anzusetzen, so etwa Averil Cameron und John B. Bury (etwas eigenwillig Arnold Hugh Martin Jones 602 mit dem Tod des Kaisers Maurikios). Der letzte Band der neuen "Cambridge Ancient History" behandelt die Jahre 425 bis 600. Und auch im deutschsprachigen Raum ist man allgemein davon abgerückt, weiter am künstlichen Epochenjahr 476 festzuhalten (siehe etwa Alexander Demandt, Heinz Bellen, Jochen Martin oder Hartwin Brandt), und bevorzugt nun zumeist 565. Doch eine Ausweitung der Epoche bis 632 erscheint sinnvoll und setzt sich zunehmend durch, da zumindest für Ostrom erst der Einfall der Araber (siehe dazu Islamische Expansion) den entscheidenden Einschnitt markierte. Die arabischen Truppen eroberten dabei nicht nur den römischen Orient, sondern vernichteten auch das Neupersische Reich der Sassaniden, das die gesamte Spätantike hindurch als zweite Großmacht neben Rom ein bedeutender Machtfaktor gewesen war und von manchen Althistorikern (so etwa Josef Wiesehöfer, Erich Kettenhofen, Zeev Rubin oder Michael Whitby) in die Erforschung der Epoche miteinbezogen wird. Auch im Westen muss man die Zeit Theoderichs des Großen wohl eher zur Antike als zum Mittelalter zählen, sodass es fast unmöglich ist, ein exaktes Datum festzulegen. Bis zum Langobardeneinfall lässt sich antike Kultur in Italien nachweisen; der weströmische Senat verschwindet erst gegen Ende des sechsten Jahrhunderts aus den Quellen. In ähnlicher Weise knüpften auch die frühen Merowinger an das antike Erbe an; bereits Chlodwig legte Wert auf römische Ehrentitel. Man muss so von einer Übergangsphase sprechen, die je nach Region unterschiedlich lange andauerte, wenn man auch leicht der Versuchung erliegen kann, das Mittelalter sehr spät anzusetzen - in Gallien waren der Übergang der Franken zum Christentum unter Chlodwig und seinen Nachfolgern, in Italien der Einfall der Langobarden insgesamt betrachtet die Anfänge des Mittelalters in diesen Regionen. Das Problem lässt sich auch umkehren: So greifen auch viele Mediävisten, die sich mit dem Frühmittelalter beschäftigen (etwa Friedrich Prinz, Hans-Werner Goetz, Patrick Geary, Herwig Wolfram und andere) rückwärts auf die Spätantike zurück, um die Veränderungen im frühen Mittelalter zu erklären. Die Problematik liegt letztlich darin begründet, dass die Spätantike eine Epoche des Um- und Aufbruchs war, wobei einerseits noch eine Kontinuität zur Antike gegeben war, und andererseits sich bereits die Welt des Mittelalters abzeichnete, die mit der Spätantike vor allem eines verband: die Verklammerung der Gesellschaft durch die christliche Kirche. Kulturell kann als wichtiger Unterschied zur späteren Zeit der in der Spätantike noch vorhandene Zugriff auf die klassischen Traditionen gelten. Noch im sechsten Jahrhundert blühte die spätantike, an klassischen Vorbildern orientierte Literatur (Boëthius, Cassiodor, Corippus, Prokopios von Caesarea, Agathias). Die mittelalterliche Welt mit ihrer weitaus geringeren Arbeitsteilung verfügte dann nicht mehr über die Kapazität, die klassische Bildung völlig zu bewahren - der größte Teil der antiken Literatur ging im Westen nach etwa 600 verloren.

Die Existenz von Byzanz in einer „intakten Spätantike“

Das oströmische bzw. byzantinische Reich existierte in einer relativ intakten 'Spätantike' bis zum Fall Konstantinopels 1453, da es im Osten zu keinem derart radikalen Bruch der antiken Tradition gekommen war wie im Westen. Die Byzantinistik bezeichnet daher etwa den gleichen Zeitraum, der auf dem Boden des weströmischen Reichs als Spätantike gilt, in Ostrom auch als "frühbyzantinisch". Für den Osten des Imperiums sind beide Begriffe mithin praktisch gleichbedeutend. Allerdings sind auch in Ostrom die Unterschiede zwischen den Zuständen im vierten bis sechsten Jahrhundert und der folgenden mittel- und spätbyzantinischen Zeit erheblich. Im Ostreich ist dabei neben der arabischen Expansion auch die endgültige Verdrängung der lateinischen Amtssprache durch das Griechische unter Kaiser Herakleios als signifikanter Einschnitt zu betrachten. Herakleios Die Angriffe der Araber führten in Ostrom zudem zum Untergang der spätantiken senatorialen Aristokratie und zu einem erheblichen Rückgang an antiker Bildung; überdies brachte der weitgehende militärische und ökonomische Zusammenbruch des Reiches nach 636 auch das endgültige Ende der klassischen Städte (Poleis), die seit der Archaik den Mittelmeerraum geprägt hatten, mit sich. Die Entwicklung der byzantinischen Themenordnung schließlich bedeutete auch im administrativen Bereich einen deutlichen Bruch mit der spätantiken Tradition.

Quellensituation und Forschungsstand

Quellen

Die Quellenlage für die Spätantike ist wohl die beste des gesamten Altertums, vor allem aufgrund der recht reichhaltigen „monumentalen“ Quellen. Allerdings verfügen wir über keine durchgehende Historiografie; vor allem für das 5. Jahrhundert lassen uns die Quellen recht oft im Stich. Im Folgenden werden nur einige bekanntere Beispiele genannt; relativ detailliert geht A.H.M. Jones auf die Quellen ein, ansonsten sei auf die entsprechenden Quellenverzeichnisse der in der Bibliographie aufgeführten Werke hingewiesen. Die wichtigste lateinische erzählende Quelle ist Ammianus Marcellinus (4. Jahrhundert), und auch die griechischen Werke des Prokopios von Caesarea (6. Jahrhundert) sind eine hervorragende Quelle für die ausgehende Antike. Dem folgen mit weitem Abstand der sehr subjektiv berichtende Heide Zosimos und mehrere Kirchengeschichten (wie die des Eusebius, des Evagrius Scholasticus, des Theodoret, des Socrates Scholasticus, des Sozomenos und anderer) sowie die Werke des Ambrosius und des Augustinus. Hinzu kommen unter anderem Jordanes, Agathias, Menander Protektor, Theophylakt Simokattes, Gregor von Tours und die Werke und Fragmente anderer Historiker, unter denen Priscus der wichtigste ist; daneben sind auch die (wenigen) Fragmente aus den Werken des Eunapios von Sardes und des Olympiodoros von Theben zu beachten. In der Spätantike entstanden auch mehrere Chroniken, die zum Teil wichtige Informationen liefern (beispielsweise Marcellinus Comes, Johannes Malalas). Des Weiteren sind Reden wie die des Libanios, des Synesios von Kyrene, des Quintus Aurelius Symmachus und des Themistios sowie eine Fülle von Urkunden (der beste Bestand aus der Antike) von Bedeutung. Für die ausgehende Spätantike in Gallien sind die Briefe und Lobreden des Sidonius Apollinaris eine wichtige Quelle. Die Notitia dignitatum (eine Art Staatshandbuch) bietet zahlreiche Informationen über die spätantike (zivile wie militärische) Administration. Dazu kommen das berühmte Corpus iuris civilis (der Name ist allerdings nicht zeitgenössisch) aus dem sechsten Jahrhundert, Inschriften (die allerdings längst nicht mehr so zahlreich sind wie in der hohen Kaiserzeit), Münzfunde und Papyri, wie auch die Befunde der Archäologie.

Forschungsstand

Als problematisch galt die Erforschung der Spätantike lange, wie bereits angesprochen, schon aufgrund der relativ fließenden Grenze zum Mittelalter hin. In der älteren Forschung wurde die Auffassung vertreten, dass die Spätantike ein Zeitalter des moralischen und kulturellen Verfalls gewesen sei (Dekadenztheorie nach Edward Gibbon: Decline and Fall of the Roman Empire; auch Voltaire: Essai sur les moeurs et l'esprit des nations; Assoziation von spät mit Dahinwelken, Verfall). Diese Lehrmeinung war auch noch im 19. Jahrhundert vorherrschend, und noch Otto Seeck vertrat diesen Standpunkt in seinem berühmten Hauptwerk Geschichte des Untergangs der antiken Welt. Diese negative Bewertung der Spätantike ist jedoch nach allgemeiner Ansicht inzwischen obsolet geworden und wird in neueren Darstellungen nicht mehr angeführt; sie ist in populären Darstellungen und im Film aber immer noch verbreitet. Die Studien von John B. Bury (siehe unter anderem sein Standardwerk History of the Later Roman Empire, 2 Bde., 1923) und anderen sorgten vielmehr für eine Neubewertung dieser Epoche, die nun nicht mehr als reine Verfallszeit begriffen wurde. Inwieweit der spätantike Staat ein "Zwangsstaat" gewesen ist, bleibt zwar weiter umstritten, auch wenn die "harte" Meinung der älteren Forschung so nicht mehr akzeptiert werden kann. In neuerer Zeit hat etwa Peter Robert Lamont Brown in seinen Arbeiten auf die Metamorphose der antiken Welt in dieser Zeit aufmerksam gemacht, wobei er sich vor allem den kulturellen und religiösen Veränderungen widmete; bald folgten diesem Ansatz auch Averil Cameron und andere. Insgesamt hat das Interesse der althistorischen Forschung an der Spätantike in den letzten Jahren stark zugenommen; vor allem im angelsächsischen Raum sind dabei viele früher selbstverständliche Annahmen und Urteile in Frage gestellt worden: Das Bild der Epoche, das sich noch immer in den meisten Schulbüchern findet, hat nur noch wenig mit dem gemein, was derzeit an den Hochschulen vertreten wird. Allerdings darf über die berechtigte Betonung von Kontinuitäten nicht vergessen werden, dass die Völkerwanderungszeit in vielerlei Hinsicht auch mit Gewalt, Zerstörung und ökonomischem Niedergang verbunden war; dies betonten jüngst erst Bryan Ward-Perkins und Peter J. Heather in ihren neuesten Darstellungen, welche sich teils wie ein Gegenentwurf zu den „Reformern“ um Peter Brown lesen. Beide - Ward-Perkins und Heather - räumen aber ein, dass die Antike im römischen Osten, der erst nach 600 einen ökonomischen Verfall erlebte, deutlich länger gedauert habe als im Westen, wo es im fünften Jahrhundert zu einem "Ende der Zivilisation" (Ward-Perkins) gekommen sei. Die Forschungsliteratur hat dabei einen kaum noch zu bewältigenden Umfang erreicht, aber in vielen Punkten konnte bislang dennoch keine Einigkeit erzielt werden. Zu den besonders heftig diskutierten Fragen zählt unter anderem die nach den Prozessen, die im Westen zum Erlöschen des Kaisertums führten; und auch die Pirenne-These findet inzwischen wieder Anhänger - allerdings mit neuen Argumenten. Viele der alten Erklärungen sind inzwischen unhaltbar geworden, doch ist es oft noch nicht gelungen, sie durch überzeugende Alternativen zu ersetzen: Je näher man sich mit der Spätantike befasst, desto offensichtlicher wird die Unmöglichkeit von einfachen Antworten und allgemeingültigen Aussagen.

Geschichtlicher Grundriss

Diokletian - Stabilisierung und Reform

Pirenne-These Mit dem Regierungsantritt des Kaisers Diokletian trat das Römische Reich in seine Spätphase ein. Die vorangegangene Krisenzeit der Soldatenkaiser (235-284/5; siehe auch Reichskrise des 3. Jahrhunderts) hatte das Reich destabilisiert. Von außen sah sich das Imperium mit der ständigen Bedrohung durch das Sassanidenreich, dem großen Gegner des Römischen Reiches im Osten, und die Germanen an Rhein und Donau konfrontiert. Im Inneren war es teilweise zu einer Handlungsunfähigkeit der Verwaltung gekommen sowie zur zeitweiligen Loslösung von Teilgebieten des Imperiums (siehe Gallisches Sonderreich und Palmyra), allerdings war es den Kaisern seit Aurelian langsam gelungen, der Krise Herr zu werden. Diokletian bemühte sich nun, den römischen Staat weiter zu stabilisieren und zu reformieren. Dabei griff er zahlreiche Ansätze auf, die bereits von seinen Vorgängern als Antwort auf die Krise entwickelt worden waren, und bemühte sich um eine Systematisierung. So kam es zu einer grundlegenden Reform der Verwaltung, wie etwa zu einer stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung, was sich auch in einem restriktiveren Steuersystem bemerkbar machte. Der zivile Sektor wurde nun grundsätzlich vom militärischen getrennt; an diesem Prinzip wurde dann bis zum Ende der Epoche festgehalten. Auch wurde das Reich in Diözesen eingeteilt, um so eine bessere Verwaltung zu garantieren. Um dem Staat stetig fließende Steuereinnahmen zu sichern, wurde das Capitatio-Iugatio-System (im wesentlichen handelt es sich um eine Kombination von Kopf- und Grundsteuer, die regelmäßig geschätzt wurde) geschaffen, das die Berechnung der Abgaben erleichterte, und gleichzeitig eine Währungsreform in Angriff genommen, der jedoch wohl kein durchschlagender Erfolg beschieden war. Zentrales Element der Heeresreform war die Aufteilung in ein Feldheer (Comitatenses) und ein Grenzheer (Limitanei), sodass Durchbrüche an der Grenze leichter mit dem Bewegungsheer abgefangen werden konnten. Diese Reformen sollten sich insgesamt bewähren und dem Chaos, das teils noch in der Zeit der Soldatenkaiser geherrscht hatte, ein Ende bereiten, sowie die Grenzverteidigung an Rhein und Donau stärken. Im Osten behauptete sich Rom nun auch gegen die Sassaniden, die 297/298 von Diokletians Caesar Galerius geschlagen wurden. Weniger Erfolg hatte Diokletian allerdings mit dem von ihm erdachten Regierungssystem der Tetrarchie (Viererherrschaft), welches je zwei Seniorkaiser (Augusti) und zwei Juniorkaiser (Caesares) vorsah und zudem religiös durch die künstliche "Adoption" der Götter zementiert wurde. So nahm etwa Diokletian, der auch in diesem System weiterhin die bestimmende Figur war, den Beinamen Iovius an (etwa = Schützling und Abkömmling des Gottes Jupiter). Vermutlich war diese enge Bindung der Kaiser an die traditionellen Kulte ein Grund für die Durchführung der letzten großen Christenverfolgung, die in den letzten Regierungsjahren Diokletians begann. Das System der Tetrarchie konnte sich gegen die dynastische Idee letztlich nicht durchsetzen, wie es die Ereignisse in den Jahren nach Diokletians freiwilligen Rücktritt 305 zeigen sollten.

Konstantin der Große und der Durchbruch des Christentums

305 Konstantin der Große, der Sohn des Tetrarchen Constantius Chlorus, setzte sich in dem Machtkampf durch, der kurz nach dem Rücktritt Diokletians 305 entbrannt war. 306 war er nach dem Tod seines Vaters von dessen Soldaten in York zum Kaiser ausgerufen worden, wurde von den anderen Tetrarchen aber nicht akzeptiert. Zuerst bekämpfte Konstantin Maxentius, den Sohn des Tetrarchen Maximian, der sich ebenfalls gegen die diokletianische Ordnung gestellt hatte. Im Zusammenhang des Machtkampfes zwischen Konstantin und Maxentius kam es 312 zur Schlacht bei der Milvischen Brücke und zur rätselhaften "Bekehrung" Konstantins zum Christentum, da ihm angeblich vor der Schlacht das Zeichen des Kreuzes erschienen war, und er anschließend im Zeichen des Kreuzes auch den Sieg errang. Damit hatte Konstantin den Westen des Imperiums für sich gewonnen. Nach 324 war Konstantin Alleinherrscher des Reiches, nachdem er auch seinen letzten Konkurrenten Licinius, mit dem er sich 313 noch verständigt hatte, im Osten ausgeschaltet hatte. Konstantin baute anschließend die Reformen des Diokletian weiter aus, so in der Verwaltung (Schaffung neuer Hofämter, Umwandlung des Praefectus praetorio in den höchsten Zivilbeamten, Einführung zusätzlicher Steuern) und im Militär (Schaffung des Amtes des Magister militum). Unter seiner Herrschaft erfolgte auch der weitreichendste Schritt eines römischen Kaisers seit der Begründung des Prinzipats durch Augustus: die Förderung des nur Jahre zuvor noch verfolgten Christentums als eine staatlich anerkannte und privilegierte Religion, auch wenn Konstantins eigenes Verhältnis zum Christentum, welches keineswegs zur Staatsreligion erhoben wurde, weiterhin in der Forschung umstritten ist. Am ehesten kann man ihn wohl als "Anhänger des Christengottes" bezeichnen, ohne dass dies etwas über seine Beziehung zu den anderen Kulten aussagen muss; zumal Heiden weiterhin ihre Kulte ausüben durften, und ebenso Zugang zu hohen Staatsämtern hatten, wobei die Christen jedoch ebenfalls favorisiert wurden. Konstantin ließ seine Söhne im christlichen Glauben erziehen, machte der Kirche reiche Geschenke und stärkte die Macht der Bischöfe. Ein weiteres wichtiges Ereignis in seiner Regierungszeit war die Errichtung einer neuen Hauptstadt: Konstantinopel, die "Stadt des Konstantin", das Neue Rom. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt des Reiches nach Osten, in die ökonomisch stärkere Hälfte des Imperiums. Kurz vor dem Beginn eines geplanten Feldzugs gegen den Sassanidenkönig Schapur II. verstarb Konstantin in der Nähe von Nikomedia, nachdem er sich, wie zur damaligen Zeit keineswegs unüblich, erst kurz vor seinem Tod hatte taufen lassen.

Das Ende der konstantinischen Dynastie

Nikomedia Nach dem Tod Konstantins 337 entbrannte ein blutiger Machtkampf, der die konstantinische Dynastie dezimierte. Konstantins Sohn Constantius II. setzte sich schließlich 351 als Alleinherrscher durch, nachdem er den Usurpator Magnentius geschlagen hatte (Magnentius hatte 350 den Bruder des Constantius, Konstans, ermordet; der dritte überlebende Sohn Konstantins des Großen, Konstantin II., war bereits 340 im Kampf gegen Konstans gefallen). Constantius II. förderte den Arianismus und war bei der Stabilisierung der Grenzen recht erfolgreich. Für die Zeit ab 353 bis 378 steht uns das letzte große in Latein abgefasste Geschichtswerk der Antike zur Verfügung, die Kaisergeschichte des römischen Offiziers Ammianus Marcellinus, wenn sein Werk auch nicht völlig frei ist von Parteinahme, vor allem für den Vetter des Constantius, Julian. Dieser war auch bei dem von ihm geführten gallischen Heer sehr beliebt, sodass es bald zu Spannungen zwischen ihm und dem Kaiser kam. Julian, der die Rheingrenze wenigstens vorläufig wieder gesichert hatte, wurde von den Truppen in Paris zum Kaiser ausgerufen und nur der bald darauf folgende Tod des Constantius bewahrte das Reich vor einem neuen Bürgerkrieg. Den neuen Kaiser, der hochgebildet und auch literarisch aktiv war, kennt die Nachwelt unter dem Namen Julian Apostata ("Julian der Abtrünnige"), da er kurz nach seinem Regierungsantritt im Jahre 361 eine Renaissance des Heidentums einleitete. Diese hatte jedoch keinen nachhaltigen Erfolg, zumal Julians Versuch, aus den vielen Kulten eine vereinheitlichte heidnische Staatskirche zu schaffen, um so das Christentum zurückdrängen zu können, misslang. Nach dem Tod Kaiser Julians auf einem Feldzug gegen die Sassaniden im Jahr 363, welcher gleichzeitig eine der größten Militäroperationen der Spätantike darstellte, blieb das Christentum die beherrschende Religion. Alle nachfolgenden Kaiser waren Christen, wie bereits der Julian nachfolgende und nur kurze Zeit regierende Jovian, der mit den Persern nach dem missglückten Feldzug Julians Frieden schließen musste, wobei die unter Galerius eroberten Gebiete um Nisibis wieder an die Sassaniden fielen. Der Osten wurde nun immer stärker christianisiert, aber auch der Westen, vor Konstantin weitgehend heidnisch, öffnete sich mehr und mehr dem Christentum, auch wenn es in der Folgezeit zu einer ganzen Reihe von schweren innerkirchlichen Krisen kam (Donatisten, Arianer, später im Osten die Monophysiten). Allerdings hielt sich das Heidentum noch lange Zeit, vor allem im Westen, und zwar besonders bei der Landbevölkerung (daher der Ausdruck paganus = Landbewohner), sowie in Teilen der Senatsaristokratie und in verschiedenen philosophischen Kreisen. Außenpolitisch kam das Reich nicht mehr zur Ruhe. Am Rhein und entlang der Donau wurde es von Germanen und später von den Hunnen bedrängt, während im Osten die Gefahr durch die Sassaniden weiter bestand.

Von Valentinian I. bis zum Tod Theodosius' des Großen - Völkerwanderung und die Behauptung des Imperium Romanum

Sassaniden Das Reich wurde seit Kaiser Valentinian I., der Jovian 364 nachfolgte, wieder von je zwei Kaisern regiert, da man sich ansonsten nicht in der Lage sah, der äußeren Bedrohung Herr werden zu können. Valentinian setzte seinen Bruder Valens im Osten ein und widmete sich selbst intensiv der Grenzverteidigung. Es gelang ihm denn auch, die Rheingrenze nachhaltig zu stabilisieren. Währenddessen ereigneten sich im Osten umwälzende Veränderungen. In den 70er Jahren des 4. Jahrhunderts setzte die Völkerwanderung in Europa ein. Die vor den Hunnen über die Donau geflüchteten Goten, die zunächst vom Imperium aufgenommen wurden, dann aber aufgrund unzureichender Versorgung revoltierten, fügten dem Ostkaiser Valens 378 in der Schlacht von Adrianopel eine vernichtende Niederlage zu, in der auch Valens fiel. Gratian, der älteste Sohn Valentinians I. und seit 375 Kaiser im Westen, setzte daher 379 den aus Hispanien stammenden Theodosius als Kaiser im Ostteil des Imperiums ein. Theodosius übernahm denn die schwierige Aufgabe, de